Skandinavische Fähren- und Brückentour 2017

Skandinavische Fähren- und Brückentour – Wie es dazu kam

Der Hausmeister a. D. äusserte vor längerer Zeit den Wunsch mit der Speedfähre zwischen Dänemark und Norwegen zu fahren. Ich habe das abgespeichert, aber nicht aktiv weiterverfolgt ;).
Zu Beginn der Sommerferien hatte er eine ganze Route ausgearbeitet und so recht weiss ich nicht, wie es geschah, plötzlich stand der Termin und das Procedere fest. Auch war nicht mehr von einer Fähre die Rede, sondern die Route umfasste nun drei Fähren, diverse Riesenbrücken, drei Länder, vier Tage und weiss der Geier wie viele Kilometer. Das klang spannend und ein bisschen abenteuerlich – sehr schön :).

Die Route

Sassnitz/Rügen – Trelleborg (S) – Malmö (S) – Oresundbrücke (DK) – Storebeltbrücke (DK) – Hirtshals (DK) – Kristiansand (N) – Larvik (N) – Hirtshals (DK) – nach Hause
unsere Route

Tag 1

(Rügen)

Wir starten unsere Reise mit der Fahrt nach Rügen zu einem Kurzbesuch der Schwiegereltern und um Kind 1.13 abzuliefern, dass uns nicht begleiten möchte und eh einen Besuch bei den Grosseltern geplant hatte.

Die Reisevorbereitungen bleiben bei mir hängen, die Kinder müssen ungefähr 27 Mal an Kopfhörer, Ladegeräte, Lesestoff und Kuscheltiere erinnert werden. Proviant habe ich auch reichlich dabei. Im letzten Urlaub in Dänemark hat das Betreten eines Supermarktes jeweils 75 Euro gekostet.
Als endlich alle im Auto sitzen, kommt die obligatorische Frage an die Kinder, ob auch alle Schuhe anhaben. Letztes Jahr stellte ich auf der Fähre nach Dänemark fest, dass zwei Kinder barfuss ins Auto gestiegen waren.

Unterwegs regnet es die erste Hälfte der Strecke, der Hausmeister hat es eilig, ich krampfe auf meinem Sitz und sehne mir ein Ende der Raserei herbei.

Bei den Schwiegereltern gibt es Kaffee und Kuchen, Donuts, Katzen, Mensch ärgere Dich nicht, Gulasch, Wein, Mücken und Zukunftspläne und Vergangenheitsbetrachtung <3. Die Kinder daddeln sich die Finger blutig, essen Wunschessen und Kinder-Pingui, bekommen Feriengeld und werden rundrum versorgt.

Tag 2

(Rügen – Trelleborg/Malmö (S))

Gegen 11.00 starten wir Richtung Sassnitz, unterwegs ergänzen wir unser Proviant noch ein bisschen und fahren dann um 13.00 auf die Fähre nach Trelleborg. Die Fähre ist komfortabel, sogar WiFi gibt es. Restaurants natürlich, einen Miniladen, eine Daddelhalle und so weiter und so fort. Was es nicht gibt, sind ausreichend Sitzplätze. Das erste Drittel der Reise stehe ich vor der Spielhölle. Später hört es auf zu regnen und wir sitzen (immerhin) draussen. Im Windschatten geht es und die Kinder können rumlaufen.Spielhalle auf der Fähre

Sie nehmen sogar an der Fähr-Kinder-Rallye teil und erhalten nach der abgelieferten Lösung ein paar Kleinigkeiten.auf der Stenaline

Um 17.00 sind wir in Trelleborg und fahren direkt weiter nach Malmö, wo wir übernachten werden.
Das Hotel anzufahren ist kompliziert, die halbe Innenstadt ist wegen einer Festivität gesperrt. Wir schaffen es aber doch, checken ein, laden aus und starten zu einer kleinen Erkundungstour.

Malmö
Leider fängt es schnell wieder an zu regnen, so dass wir umkehren, Proviant aus dem Auto holen und im Zimmer picknicken. Auch gemütlich! Wir gehen früh schlafen und planen früh aufzustehen.Abendessen - Picknick im Hotel

Tag 3

(Malmö (S) – Öresundbrücke – Kopenhagen (DK) – Grosse-Belt-Brücke – Hirtshals (DK) – Kristiansand (N))

Die Nacht war ruhig, das Frühstück gut und reichlich und wir starten um 9.00 zu unserer Dänemark-Durchquerung.Frühstück in Malmö

 

Gleich zu Beginn passieren wir die Öresundbrücke (mautpflichtig) – wow! Wie hoch und lang (8 km) die Brücke ist und nach dem Brückenteil, der auf einer vorgelagerten Insel endet, schliesst noch ein ewig langer Tunnelteil an.Öresundbrücke

Danach fahren wir an Kopenhagen vorbei, quer durch Dänemark um zwischen Seeland und Fünen über die Großer-Belt-Brücke zu fahren, die aus zwei jeweils knapp 7 km langen Teilen besteht. Nochmal wow! Die Brücken sind wirklich eindrucksvoll, besonders wenn gerade unter einem ein riesiges Schiff passiert!

Grosse Belt Brücke

Grosse Belt Brücke - man ahnt die Länge

 

Wie durchqueren Fünen und fahren über die letzte Brücke des Tages aufs Festland, nach Jütland.
Die Kinder schauen an den Brücken bereitwillig von den Tabletts auf, nehmen auch kleine Snacks dankbar entgegen und sind im Wesentlichen mit Daddeln beschäftigt. Das Gerät des kleinen Kindes lädt nicht richtig, was ihn zu einigen Heulereien veranlasst und mich mittelschwer ärgert.
Für uns geht es nun nordwärts, rauf nach Hirtshals und die Fahrt ist… langweilig. Ich finde ja Dänemark seit unserem Urlaub in Falster sehr einschläfernd und die Autobahndurchquerung kann daran auch nichts ändern ;). Wir passieren mehr Städte als wir ahnten und erwägen die Möglichkeit, dass dort nur Fassaden stehen um mehr Einwohner vorzutäuschen. Wir irren uns aber bestimmt!
Sehr pünktlich erreichen wir Hirtshals und reihen uns in die Schlange der Wartenden ein, um das Auto und uns einzuchecken auf der Speedfähre von Fjordline. Das Einparken auf der Fähre ist sehr abenteuerlich, die PKWs stehen in einer Art Parkhausauffahrt, nur Parkplätze gibt es nicht, man wird auf der Auffahrt eingewiesen und bleibt dann einfach dort stehen. Einige Wohnmobile müssen gar rückwärts einparken, mein Mitleid begleitet die Fahrer.

Fährausfahrt

Fähreinfahrt
Wr schnappen unseren Unterhaltungs- und Proviantrucksack und suchen uns einen Sitzplatz. Kurz nach dem Ablegen entscheiden wir uns um und bezahlen für das Buffet und setzen uns ins Restaurant – hahaha. Kaum hat jeder von uns einen gefüllten Teller, ruckelt es los und es wird die nächsten zweieinhalb Stunden auch nicht mehr besser…

Buffet

Die Wellen sind nach Durchsage des Kapitäns 2,5 m hoch und wir schaukeln auf jeder einzelnen Welle mit. Schlimmer sind allerdings seitlichen Wellen, die wir immer wieder überraschend abbekommen, da fliegen dann Teller und Bestecke. Uff –  damit hatte ich nicht wirklich gerechnet. Die Kinder und ich tragen SEA BAND Akupressur-Band (*Amazonpartnerlink) – vielleicht haben sie geholfen, richtig schlecht war uns jedenfalls nicht. Aber die Kinder haben schon Angst und  auch wir Erwachsenen finden es abenteuerlich. Das kleine Kind, dass zu Beginn sogar weint und umdrehen möchte, lenke ich mit einer Serie auf meinem Handy ab und auch das Mittelkind können wir beschäftigen, richtig gemütlich wird es aber erstmal nicht mehr…
Irgendwann sind wir vor Norwegen, allerdings nicht dort wo wir hinwollen und fahren nun an der Küste entlang, was die Fähre ruhigstellt ;). Die Männer holen sich jetzt doch noch etwas vom Buffet, mir reicht ein Tee :). Mit etwas 1,5 h Verspätung kommen wir in Kristiansand an, finden unser Auto tatsächlich heile vor (wir hatten darüber spekuliert, wie die stehen bleiben können) und fahren die kurze Strecke zu unserem Hotel.
Nach dem Einchecken und Abladen gehen wir noch ein bisschen raus. Die Kinder lüften und uns selbst die Beine vertreten. Das Hotel liegt direkt an der Fussgängerzone, die bis zum Hafen hinunter geht! Sehr schön :)! Die Kinder essen noch ein Hotdog und dann geht es ins Bett.

Kristiansand am Abend

Tag 4

(Kristiansand (N) – Lillesand (N) – Larvik (N) – Hirtshals (DK) – nach Hause (D))

Das Zimmer ist prima, das Frühstück übersichtlich, aber völlig ausreichend und wir starten in den neuen Tag. Tagsüber müssen wir heute nicht viel Strecke schaffen, so dass wir uns Zeit nehmen. Wir schlendern noch einmal bis zum Hafen hinunter, auf einer grossen Wiese stehen Liegestühle und ein paar Spielgeräte – es kann so einfach sein, Kinderunterhaltung zu schaffen. In der Fussgängerzone gibt es dann noch Frozen Yoghurt für die Kinder und ich sehe mich in ein paar Läden um.

Wiese am Hafen von Kristiansand

am Skagerrak gehts tropisch zu

Dann geht es wieder ins Auto und wir starten Richtung Lillesand, wo wir nach knapp 1 h ankommen. Wir fahren einfach direkt zum Hafen und finden auch sofort einen Parkplatz. Als wir später beim Spaziergang sehen, wie voll es überall geparkt ist, wundern wir uns ein bisschen – Glück gehabt. Der Ort ist fast malerisch und sieht genau so aus, wie man sich einen Ort am Meer in Norwegen vorstellt: vorgelagerte Inselchen, rote und weisse Holzhäuser, Fischerboote, sogar ein grosses Schiff, knallblauer Himmel – toll. Wir laufen herum und sehen uns um und schauen und schauen. Auch einen kleinen Spielplatz entdecken wir. Die Männer erklimmen noch einen Felsen, ich fotografiere derweil und dann geht es wieder weiter.Kinder an Felsen

Lillesand

so stellt man sich Norwegen vor
Wir fahren Richtung Larvik und es gefällt mir richtig richtig gut. Die Strasse ist gut ausgebaut, schneller als 70 kmh darf man aber meist nicht fahren. Viel Zeit und Ruhe um zu gucken. Hinter jeder Kurve eröffnet sich ein noch malerischer Ausblick, ein See, ein Fjord, eine Holzhaussiedlung und manchmal auch einen Baustelle. Ich warte auf die – durch Warnschilder versprochenen – Elche, aber denen begegnen wir leider nicht. Wir überqueren zahlreiche kleinere und auch längere Brücken, und durchqueren etliche Tunnel, lang und länger – Wahnsinn! Der Elbtunnel hat auf dieser Tour für immer an Reiz verloren ;).

kein Elch in Sicht

Überpünktlich sind wir vor Ort, die Wartezeit überbrücken wir mit einem Einkaufscenterbesuch. Ich mag so gerne ausländische Supermärkte :), die Preise sind besser als in Dänemark, aber deutlich teurer als zuhause. Zusammen mit den Resten aus der Kühlbox und dem restlichen Proviant bekommen wir trotzdem ein Abendbrot zusammen. Hoffentlich schaukelt es nicht wieder so sehr…
Die Rückfahrt bestreiten wir mit der Speedfähre von Colorline. Hier ist das Parken einfacher, halt so wie man es von Fähren kennt. Wir haben reservierte Plätze, lassen unsere Jacken dort und erkunden das Schiff. Auch hier gibt es ein Restaurant und Café, sogar mehrere Läden, ein Kinderspielbereich und viele Aussenplätze. Die Kinder wollen auf ihre Plätze, die mit Monitoren und Unterhaltungsprogramm ausgestattet sind, wir gucken noch bei der Ausfahrt zu. Nachdem wir uns dann auch drinnen niedergelassen haben, warten wir auf die Wellen und das Schaukeln, doch nichts passiert. Die Fahrt bleibt ruhig, ob es am Wetter oder der doch grösseren und auch langsameren Fähre liegt – keine Ahnung. In jedem Fall ist eine sehr angenehme Fahrt, fast langweilig ;). Der Hausmeister kann sogar ein bisschen schlafen.

Ausblick von der Fähre auf Larvik

 

wir fahren in den Sonnenuntergang
In Hirtshals angekommen sind wir schnell vom Schiff und starten auf unsere letzte Etappe – der Länge nach durch Dänemark. Richtig spannend wird es hier nicht mehr. Die Kinder daddeln noch eine Weile und schlafen dann, auch ich döse eine Weile vor mich hin und überlasse dem Hausmeister die leeren Strassen. Gegen 2.00 nachts sind wir daheim und laden nur schnell aus, ehe wir uns in die eigenen Betten kuscheln.

Fazit

Ein cooler Kurztrip mit vielen vielen Eindrücken, der uns grosse Lust auf mehr Norwegen und Schweden gemacht hat. Dänemark hat er uns allerdings nicht näher gebracht ;).
Mit den Kindern hat es richtig gut geklappt, wenn man berücksichtigt, dass es keine kinderfreundliche Reise war. Sie mussten viel sitzen und warten, wir haben keine speziellen Kinderausflüge oder – ziele eingeplant und es ging trotzdem sehr gut. Auch sie haben viel gesehen (und viel gedaddelt) und reichlich Eindrücke mitgenommen, die immer wieder zur Sprache kommen.

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3 Gedanken zu „Skandinavische Fähren- und Brückentour 2017

  • 3. September 2017 um 22:19
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    Hallo Moin,
    Barfuss ins Auto? Ich kann nicht mehr. Mindestens zwei unserer 5 Kinder würden fertig angezogen mit Gummistiefeln im Wagen sitzen. Bei strahlendem Sonnenschein und 30 Grad.
    Genau so stelle ich mir meine Reise auch vor. Leider bekomme ich meine Frau auf keine Fähre mehr. Wir hatten da mal ein kleines Erlebnis auf dem Schiff von Lolland nach Langeland (Dänemark). Schneesturm. Der einzige der nicht spuckte, war ich. Da ich täglich Fähre fahre. Der Offizier gab mir den guten Ratschlag meinen Sohn auf dem Aussendeck auf einem Pferd mit Feder (Wie auf den Spielplätzen) zu platzieren. Das hatte tatsächlich geholfen. Meine Frau konnte danach kein Auto mehr fahren. Ich durfte mal. Und ich darf sonst nie. Eure Reise hat mir sehr gefallen und Dein Schreibstil hat mich zum Lachen gebracht. Danke dafür. Vielleicht hast du mal Lust bei mir reinzuschauen. Viele Grüße von der Küste. Gruß Steffen.

    Antwort
    • 4. September 2017 um 7:54
      Permalink

      Immerhin müsstest Du dann keine Schuhe in Dänemark kaufen… Ich kenne Deine Seite und lese gerne mit :)! Grüsse von der Förde! Antje

      Antwort
  • Pingback:Im August 2017 - lupus-live.delupus-live.de

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